Rockharz 2012 - Der Festivalbericht

Rockharz 2012

Schon zum 19. Mal findet das Rockharz Festival nun statt – wie im Jahr zuvor am Flugplatzgelände in Ballenstedt, welches sich am Fuße der Teufelsmauer befindet. Wie wir das Festival 2012 erlebt haben, lest selbst in unserem ausführlichen Rockharz Bericht!


Mittwoch

Schon am Anreisetag wurde ich auf das Wetter beim Rockharz vorbereitet: Regen – und zwar nicht zu wenig. Doch wenigstens ließ sich die Sonne immer mal zwischen den Regenpausen blicken und machte mir Hoffnung, dass sich das Wetter noch bessert. Aber... ein Rockharz ohne Regen ist kein echtes Rockharz. Am Mittwoch vor dem offiziellen Festivalbeginn spielten zwar schon einige Bands, diese waren jedoch recht unbekannt. Uns fehlte letztlich auch der Ansporn, uns diese anzusehen und so ließen wir den Abend mit ein paar kühlen Bierchen ausklingen, um fit für den nächsten Tag zu sein.


Donnerstag


Genau wie der Mittwoch begann auch dieser Tag mit Regen, dazu kam noch ein ungeheurer Sturm. Es war so windig, dass Zelte und Pavillons übers Gelände flogen und wir unseren nur retten konnten, indem wir ihn auf die Hälfte der Höhe setzten und an den Autos festbanden. Auch die Bühnen mussten mit zusätzlichen Stahlseilen gesichert werden. Dazu fuhr die Polizei umher und verkündete eine Sturmwarnung. Kurze Zeit ging das Gerücht um, dass das Festival abgesagt wird. Zum Glück bewahrheitete sich dies nicht und das Wetter wurde zu RED FANG erträglicher.

RED FANG sind zwar noch recht unbekannt, dies aber meiner Meinung nach völlig zu Unrecht. Eine Band, die nicht nur auf ihren Alben großartig ist, auch auf der Bühne können sie überzeugen. So war der Sound zwar nicht überragend, aber dennoch gut. Es klang alles ein wenig schwammig, doch weder dadurch noch durch den ungeheuren Wind ließ sich das Publikum die Stimmung verderben. So feierten die Fans alle Lieder von RED FANG auf ihre persönliche Art und Weise: ob als Ein-Mann-Schlammschlacht oder mit Headbangen, spätestens bei Liedern wie „Hank is Dead“, „Wires“ oder „Prehistoric Dog“ fing jeder an zu feiern und das ganze Talent dieser Band wurde deutlich. Nicht nur das Publikum genoss diesen Auftritt sehr, auch RED FANG selber sah man an, dass sie unheimlich Spaß hatten.

Kurz nach RED FANG spielten MUNICIPAL WASTE, die ich selber leider nicht gesehen habe, was ich aber nach den detaillierten Erzählungen aller aus meinem Camp sehr bereue. Der Auftritt der Band gestaltete sich als eine große, lustige Party. Das Ganze ist bei Songs mit den Titeln „The Art of Partying“ oder „Born to Party“ allerdings nicht sonderlich überraschend – auch nicht, dass Lieder, die das Wort „Beer“ im Titel tragen (wie z.B. „Beer Pressure“) mit tosendem Beifall bejubelt werden. Passend zu derartigen Songs riefen die Jungs auch immer wieder zum beliebten Circle Pit auf. MUNICIPAL WASTE lieferten also einen gut besuchten und gut abgemischten Auftritt ab, der zwar hier und da kleinere Schwächen wie leichte Spielfehler hatte, aber dennoch solide und gut war.

Da ich mir aufgrund des Wetters Sorgen um mein ohnehin schon angeschlagenes Zelt machte, konnte ich auch die nächste Band nicht sehen: TANZWUT. Aber auch hier gibt es ja genug Freunde, die man Fragen kann, wobei dies gar nicht wirklich nötig war, denn man sah schon an den Gesichtern derer, die vom Auftritt zurückkehrten, wie begeistert sie noch immer waren. Zwar war der Sound aufgrund des immer stärker werdenden Windes wohl recht dürftig, aber dennoch war es ein guter Auftritt. Mit dem Lied „Wie Phönix aus der Asche“  meldeten sie sich nach dem Besetzungswechsel 2011 zurück. Es gab kaum Liedpausen und wenig Gerede zwischen den Songs, viel Zeit um Songs wie „Meer“ zu spielen. Auch das Publikum machte keine Pause und feierte durchgehend mit und zeigte sich sehr textsicher. Zum Ende der Show, man soll es kaum glauben, verzogen sich dann sogar die Wolken und die nächste Band konnte bei gutem Wetter gesehen werden.

Diese nächste Band waren die EMIL BULLS. Nachdem ihr Auftritt im letzten Jahr kurzfristig abgesagt werden musste, wollten sie sich diesen 2012 nicht entgehen lassen und spielten kurzerhand mit einem Aushilfsbassisten, da ihr Bassist Jamie aufgrund einer Erkrankung leider nicht dabei sein konnte. Man merkte jedoch, dass wegen EMIL BULLS im Vergleich zu den anderen Bands eher weniger Leute gekommen waren – so war es doch recht leer und es gab nur wenige feierbereite Fans. Diese zeigten sich durch ihr Violent Dancing auch noch von ihrer aggressiven Seite. Doch zum Ende hin kamen doch noch ein paar mehr Leute dazu und es wurde zu einer Wall of Death aufgerufen, einer für die Anzahl an Leuten ziemlich große sogar. Die Show war jedoch recht einseitig und beschränkte sich eher darauf, dass die Band auf der Bühne wie von einer Hornisse gestochen auf und ab hüpfte. Dies machten sie jedoch mit einem überraschend guten Sound wieder wett.

Nach dem Auftritt genehmigte ich mir dann eine kleine Pause, ließ die nächste Band sausen und ging erst wieder zu OOMPH! vor die Bühne. Als OOMPH! die Bühne betraten, wusste ich nicht so recht, was ich sagen sollte. Nicht nur, dass sie auf einmal mit sieben Leuten dort standen – nein – sie hatten auch noch eine Art Matrosenoutfit an und Sänger Dero war in guter alter Joker-Manier geschminkt. Bei OOMPH! wurde das Publikum mit einbezogen, wie ich es selten zuvor erlebt habe: Mitklatschen, im Kreis springen, Crowdsurfen, Moshen – zu einfach allem wurde aufgefordert und man geriet richtig ins Schwitzen. Ein Auftritt, der definitiv in Erinnerung bleibt und das nicht nur durch die Show, sondern auch durch Lieder wie „Always look on the bright Side of Life“ und den leider relativ schlechten Sound. Auch hier wird wohl das Wetter einen Teil dazu beigetragen haben.

Die nächste Band war SEPULTURA, die brasilianische Thrash/Death-Ikone. Nachdem der Auftritt 2011 leider abgesagt worden war, konnten sie in diesem Jahr zum Glück abliefern – mit der ein oder anderen Überraschung. So wurde Gitarrist Andreas Kisser bei einem Song von seinem Sohn Johann unterstützt, dieser wurde vom Publikum einfach nur gefeiert und unterstützt. Und auch Sänger Derrick wurde vom Publikum gefeiert, nicht nur wegen seiner Deutschkenntnisse, sondern auch wegen seiner tollen Performance, die bei dem sehr schwankenden Sound leider nicht immer gut rüberkam. Der Sound konnte in einem Moment der beste des Tages sein, im nächsten wechselte er ins komplette Gegenteil, wirklich merkwürdig. Aber die Fans ließen sich davon zum Glück nicht unterkriegen und feierten Songs wie „Territory“, „Kairos“ oder den Höhepunkt des Auftritts „Roots“.

Wenige Minuten nach dem Ende von SEPULTURA starteten HATEBREED mit dem wohl am besten besuchten Gig des Abends. Ein Auftritt, der vielen noch lange in Erinnerung bleiben wird, denn nach wenigen gespielten Songs war auf einmal alles dunkel. Kein Licht. Keine Musik. Stromausfall für eine glatte halbe Stunde. Aber man ist ja nicht auf einem Festival, um sich davon unterkriegen zu lassen. Dass Metaller zu Musik moshen, wusste man schon, aber dass sie ohne Musik fast noch mehr moshen, ist auch mir neu. Und sie moshten nicht nur, sie starteten auch die größte Wall of Death des Abends, komplett ohne Musik und im Schein des Mondes. Nachdem der Strom nach etwa 30 Minuten wieder da war und man die Pause anscheinend gut überbrückt hatte, beendeten HATEBREED ihren Auftritt, als ob nie etwas gewesen wäre. Ein wirklich gelungener Auftritt, trotz – oder gerade wegen – des Stromausfalls. Erschöpft ging es dann zurück zum Camp, um den Flüssigkeitsverlust durchs Schwitzen mit Bier wieder auszugleichen.


Freitag


Nach einer kurzen Nacht wurde ich am nächsten Morgen von ausreichend Wasser geweckt – vom Himmel, denn es regnete mal wieder. Aber was soll's, ab unter'n Pavillon und das Wetter aussitzen, meine erste Band war sowieso erst XIV DARK CENTURIES und die spielten gegen Nachmittag. Das lange Warten hat sich definitiv gelohnt, XIV DARK CENTURIES hatten einen sehr guten Sound und klangen beinahe wie auf Scheibe. Das nutzten die Fans natürlich sofort aus, um bei fast jedem Song mitzusingen, mal besser – mal schlechter. In historischen Gewandungen absolvierten die Thüringer ihren Auftritt, als wäre alles schon Routine.

Kurz nach XIV DARK CENTURIES enterten COPELLIUS die Bühne. Absolut nicht mein Geschmack, aber auch hier fanden sich viele aus meinem Camp und alle waren absolut überzeugt von der Band. Der Sound war einsame Spitze, was die ohnehin schon gute Stimmung natürlich noch unterstütze. Auch die Show gestaltete sich abwechslungsreich und es wurden kurzerhand zwei treue Fans auf die Bühne geholt, um eine Runde mit zu Headbangen – sowas passiert auch nicht alle Tage. So feierten die Fans mit und zeigten sich mehr als textsicher bei Songs wie „Gumbagubanga“. Aber so gut wie der Auftritt auch war, für ihre Fans kann die Band nichts: Ein Gekreische wie Teenies bei einem Justin Bieber Konzert von Seiten der weiblichen Fans muss echt nicht sein.

Ganz anders waren die Fans bei PRIMORDIAL drauf, hier beschränkte man sich auf das typische Headbangen, Mitgröhlen und mit Schlägen drohen. Moment, mit Schlägen drohen? Ganz genau, das Publikum stellte sich als recht aggressiv heraus. Als Headbanger wurde man nicht nur einmal weggeschubst und angebrüllt, man solle sich benehmen oder man fange sich eine, die Mosher hatten ein ähnliches Schicksal zu tragen. Ein negativer Aspekt, für den die Band jedoch nichts kann. PRIMORDIAL lieferten einen typischen Auftritt ab: Der Sänger versucht die Melancholie der Songs durch seine Bewegungen zu untermahlen, was auch gut klappt, und die restlichen Musiker beschränken sich aufs in der Gegend herumstehen. Hier und  da klang das Schlagzeug ein wenig komisch, was aber bei einer derartig guten Live-Band durchaus zu verkraften ist.

Das musikalische Gegenteil zu PRIMORDIAL bildeten dann EPICA, die wenige Minuten später auf der anderen Bühne anfingen zu spielen. Anfangs war der Bass ein klein wenig übersteuert, aber dies legte sich nach einigen Minuten. Von da an war der Sound wirklich gut und die Band hatte, genau wie das Publikum, richtig Spaß. Ein Highlight ihres Auftritts bildete die Präsentation ihrer neuen Single „Storm the Sorrow“, doch auch alte Lieder wurden gefeiert und es wurde begeistert mitgesungen und geklatscht. Bei diesem Auftritt fällt mir nichts wirklich Negatives ein, es hat wirklich Spaß gemacht.

Erschöpft ging es dann nach einiger Zeit zur nächsten Band des Abends: ASP. Ein Auftritt voller Abwechslung: So stürmten sie mit Flammenwerfern auf die Bühne und lieferten eine tolle Feuershow ab. Wenig später unterstützen sie den Song „Und wir tanzten (Ungeschickte Liebesbriefe)“ mit Schneefall, eine wirklich tolle Abwechslung. Zwar war die Show echt gut, dafür war der Sound umso schlechter, die Gitarren waren leider viel zu leise und man hörte sie gelegentlich wirklich schlecht. Das Publikum ließ sich dadurch aber nicht stören, zeigte sich vollkommen textsicher und sang fast den ganzen Auftritt hindurch mit. Auch wenn ich ASP auf CD nur recht selten höre, kann ich sie als Live-Band nur empfehlen, denn die Show ist wirklich super.

Ohne Pause ging es dann zum Headliner des Abends, BLIND GUARDIAN. Was soll man zu einer Band, die so lange existiert, noch sagen? Die Show und der Sound waren wie zu erwarten wirklich gut und das Publikum agierte, wie man bei einem BLIND GUARDIAN Konzert eben agiert: es feierte jeden Song mit und war sichtlich begeistert. BLIND GUARDIAN Live zu sehen ist immer wieder ein tolles Erlebnis, zwar mittlerweile ohne große Überraschungen, aber das macht bei dieser Band gar nichts. Und auch die Fans sind mittlerweile ein Teil der Show, denn spätestens bei „The Bard’s Song“ oder „Valhalla“ muss Sänger Hansi Kürsch eigentlich nicht mehr mitsingen, das Publikum übernimmt alles.

Setlist BLIND GUARDIAN:

1. Sacred Worlds
2. Welcome To Dying
3. Nightfall
4. Fly
5. Time Stands Still
6. A Voice In The Dark
7. Last Candle
8. Valhalla
9. A Past And Future Secret
10. Imaginations From The Other Side
11. Majesty
12. The Bard’s Song
13. Mirror Mirror

Die für mich letzte Band des Abends waren die DEATHSTARS. Ein recht eigenartiges Bild gibt die Gothic-Band aus Schweden schon ab, doch so skurril sie auch aussehen mögen, so gut ist auch ihr Auftritt. Man merkte, wie erschöpft das Publikum schon war, doch Fronter Andreas „Whiplasher Bernadotte“ Bergh holte noch einmal alles aus den Leuten raus und animierte sie noch einmal abzugehen – mit sichtlichem Erfolg. Die Band wurde gefeiert wie wenig andere an diesem Tag. Obwohl sie eine der wenigen Gothic-Bands auf dem Rockharz waren, war der Auftritt nicht wirklich schlechter besucht als der ihrer Vorgänger BLIND GUARDIAN. Was mich persönlich wirklich überraschte, obwohl ich selber ein großer Fan bin und weiß, wie gut sie doch sind. Schöner Auftritt. Gute Show. Tolles Publikum, mehr muss man hier nicht sagen.

 
Samstag

Während GERNOTSHAGEN auf der Bühne einen guten Auftritt ablieferten, machte ich mich bei gutem Wetter auf zur Teufelsmauer. Diese liegt nur wenige hundert Meter entfernt vom Eingang des Rockharz Geländes, sodass man sie von überall auf dem Gelände aus sehen kann – doch ich wollte wissen, wie es von dort aus aussieht. Ein schwerer Anstieg stand mir bevor, denn der Weg zur Mauer war sehr steil und es war wirklich nicht einfach, doch nachdem ich oben angekommen war und beinahe ein Sauerstoffzelt vor Erschöpfung gebraucht hätte, konnte ich die Aussicht über das Gelände genießen. Sie war wirklich wundervoll, die gesamte Größe des Geländes tat sich vor mir auf. Ein Weg, der sich wirklich gelohnt hat und den ich mit Freude bei meinem nächsten Besuch wieder auf mich nehmen werde. Nach einem kurzen Aufenthalt an der Teufelsmauer ging es ohne Pause und immer noch recht erschöpft zu BETONTOD.

BETONTOD sind eine tolle Live-Band und wirklich gut zum Mitfeiern und Mitsingen, was auch genügend getan wurde. Wirklich textsicher zeigte sich das Publikum jedoch nur bei „Glück auf!“, bei allen anderen Liedern, bei denen zum Mitsingen animiert wurde, herrschte in den extra für das Publikum gelassenen Pausen Stille. Dies begriff die Band dann auch recht schnell, sparte sich weitere Versuche und animierte das Publikum nur zum Moshen und Mitklatschen. Der ein oder andere Song schien mir jedoch ein wenig fehl am Platz, auf einem Metalfestival ein Lied Namens „Viva Punk!“ zu spielen, ist ein wenig suspekt. Leider war der Auftritt ein wenig kurz dadurch, dass GERNOTSHAGEN zehn Minuten zu lang gespielt hatten. Diese Minuten fehlten BETONTOD, was sie das Publikum auch etwas genervt wissen ließen. Doch anstatt entsprechend schnell die Lieder hintereinander weg zu spielen, machten sie zwischendurch Ansagen, die nach etwa drei Minuten voll sinnlosem Gelaber vom Publikum mit „Spielt weiter!“ -Rufen unterbrochen wurden. Alles in allem waren sie zwar recht leise und ein wenig schlecht abgemischt, lieferten aber dennoch einen guten Auftritt.

Nach einer mehr oder weniger leckeren Portion Dosennudeln ging es dann zu SUIDAKRA, die Band auf dem Rockharz mit dem besten Sound. Es war endlich mal richtig laut, die Instrumente waren super abgemischt und man merkte, wie viel Spaß die Band auf der recht großen Bühne hatte, auf die sie definitiv gehören. Auch das Publikum hatte sichtlich Spaß, es bildete sich trotz des schlammigen Bodens schnell ein Moshpit und später auch eine Wall of Death. Kurzerhand wurde auch einmal Axel Fs „Crazy Frog“ angestimmt und das Publikum war absolut begeistert – sogar dermaßen, dass es Unterwäsche auf die Bühne warf, welche die Band kurzerhand an den Bass hing. Der Auftritt war einsame Spitze und dennoch etwas traurig, denn es war der letzte Auftritt von Bassist Marcus, der die Band leider verlassen hat. Doch er wurde von den Fans und von der Band gebührend verabschiedet, zum Schluss mit der Widmung des Songs „Stone Of The Seven Suns“.

Als nächstes kamen TYR an die Reihe, deren erste Auftrittshälfte ich mir gemütlich vom Bierstand aus ansah (während ich mich mit BurnYourEars-Kollege Robert unterhielt, der diesem Bericht seine Eindrücke zum Auftritt von THE OTHER beisteuert). TYR waren schon im Jahr zuvor auf dem Rockharz, doch dieser Auftritt war so schlecht, dass sie in diesem Jahr wiederkamen, um einen besseren abzuliefern. Und das taten sie auch: Der Sound war zwar nicht perfekt, doch durchaus akzeptabel – eine signifikante Verbesserung – und trotz des miserablen Wetters feierte das Publikum jeden Song mit. Die Schlammgrube vor der Bühne wurde ein einzige Partymeile und die Fans zeigten sich sprachgebildet, indem sie die Songs von TYR mitsangen. Nach diesem schmetternden Auftritt wundert es auch nicht, dass die „Zugabe!“-Rufe noch lange nach dem Auftritt anhielten.

Kurz nach TYR übernahmen auf der anderen Bühne FREEDOM CALL, die vom ersten Moment an das Publikum begeisterten und durchgehend lächelnd auf der Bühne standen. Der Sound der Band war grandios und der Beste neben SUIDAKRA. Auch die Show der Band war super, denn Sänger und Rampensau Chris Bay brachte das Publikum am laufendem Band zum Lachen und sorgte für gute Stimmung. Überflüssig zu erwähnen, dass es ihm nicht schwer fiel, die Leute zum Mitsingen und Mitklatschen zu animieren; passend zum Lied „Power + Glory“ feierte das Publikum eine echte Happy-Metal-Party. Alle hatten sichtlich Spaß zu Liedern wie u.a. „The Quest“. Doch leider ist auch eine so überragend gute Show irgendwann vorbei. Zuletzt wurde „Warriors Of Light“ gespielt, das Ende dieses Liedes sogar mehrmals, um die Fans noch einmal richtig zum Klatschen und Jubeln zu animieren – mit Erfolg. FREDDOM CALL lieferten zweifelsohne einen der besten Auftritte auf dem Rockharz ab!

Nach der großartigen Show von FREEDOM CALL ging es kurze Zeit später zu einem meiner persönlichen Favoriten-Headliner, ARCH ENEMY. Doch als diese anfingen zu spielen, wandelte sich meine anfängliche Euphorie in puren Missmut: Der Sound war absolut unterirdisch, und auch wenn sich dies später leicht verbesserte, war der Sound noch lange nicht so gut, wie man es von ihnen gewohnt ist. Dennoch wurde die Band gefeiert und Sängerin Angela zeigte alles, was ihre Stimme hergab (und was bei ihrem Organ wirklich nicht wenig ist). Die Songauswahl war ein nahezu perfekter Querschnitt durch das Repertoire der Band, und für mich waren die Lieder dabei, die man sich bei einem Auftritt von ARCH ENEMY wünscht. Wie bei fast jedem Konzert von ihnen gab es immer wieder „Ausziehen, Ausziehen!“-Rufe, denen Sängerin Angela dann mit einem Bauchblitzer Einhalt gebot und sagte, wie stolz sie darauf sei, mit ihrer Stimme Geld zu verdienen und das Ausziehen getrost anderen überlassen zu können.

Setlist ARCH ENEMY:

Intro (Khaos Overture)
Yesterday Is Dead And Gone
Ravenous
My Apocalypse
Bloodstained Cross
The Day You Died
Under Black Flags We March
In This Shallow Grave
Dead Eyes See No Future
Dead Bury Their Dead
We Will Rise
Nemesis
Fields… (Outro)

Mit der Hoffnung auf einen besseren Sound ging es dann sofort zur Nebenbühne, wo „Die meiste Band der Welt“ in wenigen Minuten anfangen sollte. Die Rede ist natürlich von KNORKATOR. Und vorweg: der Sound war deutlich besser, sehr zur Freude der feiernden Fans, welche nach dem ersten Song von den auf die Bühne gebetenen Fotografen abgelichtet wurden. Diese wurden dann mit einem freundlichen „Verpisst euch“ wieder von der Bühne gebeten. Wie man es bei einer Fun-Metal-Band wie KNORKATOR erwartet, gab es reichlich Unsinn auf der Bühne und auch die Fans wurden dazu animiert. So wurde die typische Wall Of Death abgewandelt und die Band rief die Fans dazu auf, aufeinander zuzugehen und sich die Hände zu reichen – mal was anderes, was aber sehr gut beim Publikum ankam. Nach 60 spaßigen und anstrengenden Minuten verließen KNORKATOR sichtlich zufrieden, genau wie das Publikum, die Bühne und machten Platz für den Headliner des letzten Tages: AMON AMARTH.

Kurz nach der Danksagung des Veranstalters beschlagnahmten die Mannen von AMON AMARTH die Bühne und hauten einen grandiosen Song nach dem anderen raus. Nach einem kurzen Problem mit übersteuerten Stimmen war auch der Sound einwandfrei und die Party konnte beginnen. Wenige Bands schaffen es, die Meute so zu begeistern wie AMON AMARTH – kein Wunder also, dass auch der letzte Zentimeter vor der Bühne ausgefüllt war und sich hier und da Moshpits bildeten. Ein paar Verbesserungen gäbe es jedoch; so hätten sie „Death in Fire“, eigentlich das Highlight jedes AMON AMARTH Auftrittes, nicht schon als dritten Song spielen sollen, und auch ihre schon routinierte Feuershow bot nur wenig Abwechslung. Dennoch waren AMON AMARTH nicht ohne Grund Headliner des Festivals. Eine derartig polarisierende und ausgeglichene Band hat diesen Platz definitiv verdient, und jeder, der sie noch nicht gesehen hat, sollte dies nachholen – es lohnt sich.

Den vielleicht undankbarsten Auftritt hatten THE OTHER. Die Horrorpunker aus dem Pott mussten als allerletzte Band des Rockharz 2012 um 1 Uhr auf die Bühne, machten aber mehr als nur das Beste daraus. Zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Besucher bereits auf dem Heimweg oder bei ihren Zelten. Anfänglich dachte ich, dass die Band auf der großen Bühne ein wenig untergehen könnte, doch dem war nicht so. Sänger Torsten und seine Mitstreiter, traditionell mit den passenden Horrorkostümen ausgestattet, haben sich offensichtlich so viel Routine und Bühnenpräsenz zugelegt, dass keine Bretter mehr zu groß sind. Trotz der späten Stunde hatten sich noch einige Besucher des Festivals vor der Bühne eingefunden und ließen sich von THE OTHER zum Tanzen, Mitsingen und Hüpfen animieren. 45 Minuten lang gab es ein buntes Potpourri aus allen Alben zu hören, inklusive fünf neuen Songs des gerade erschienenen Albums "The Devil You Know". Dazu zählten unter anderem "Fright Night" und "Puppet on a String". Aber auch das grandiose "Back To The Cemetery", "Beware of Ghouls", "Tarantula" und "Hier kommt die Dunkelheit", um nur einige zu nennen, kamen nicht zu kurz. Vor traditioneller Kathedralen-Kulisse auf der Bühne zelebrierten THE OTHER ihren späten Auftritt und sammelten enorm viele Sympathiepunkte. Die Zuschauer auf jeden Fall feierten die Band und ließen so ein wirklich schönes Festival mit guten Bands würdevoll ausklingen. THE OTHER dürfen darüber hinaus auch weiterhin meinen Weg so oft es geht kreuzen, denn diese Band ist live eine echte Macht!


Fazit:
Das Rockharz Festival war zwar nicht mit dem besten Wetter gesegnet, dafür aber mit einer unschlagbar guten Stimmung und mit netten Menschen. Keiner ließ sich so wirklich von dem Beinahe-Dauerregen und dem Sturm unterkriegen und auch die Sound- und Stromprobleme gerieten schnell in Vergessenheit. Das Rockharz ist nun mal ein Festival, bei dem die Besucher schon aus Erfahrung mit Regen rechnen. Es ist immer wieder ein tolles Erlebnis, dieses Festival zu besuchen, und es wird sicherlich nicht mein letztes Mal gewesen sein. Ein klasse Preis-/Leistungsverhältniss und akzeptable Preise auf dem ganzen Gelände stützen diese Entscheidung. Jedoch sollten die Veranstalter in Zukunft dafür sorgen, dass die Securities ihren Job machen und kontrollieren, denn niemand wurde auf ein Bändchen oder gefährliche Gegenstände kontrolliert. Doch auch die Tatsache, dass schon zwei hochkarätige Bands für das nächste Jahr bestätigt sind, macht mir meine Entscheidung nur leichter, ACCEPT und SUBWAY TO SALLY.  Rockharz 2012 – ein Festival, das sich gelohnt hat und das ich auch in Zukunft weiterempfehlen werde!